Dies ist ein Thema, über das man natürlich endlos debattieren könnte ...

 

Ich kann hier nur meine ganz persönliche Erfahrung mit meinem kastrierten Anton (Westfälische Dachsbracke) wiedergeben. Seit dieser Erfahrung bin ich strikt dagegen, den Rüden kastrieren zu lassen, bei der Hündin ist das wieder etwas anderes ...

 

Aber jetzt erstmal zu Anton:

 

Anton war ein sehr dominanter Rüde mit großer Jagdambition (wie es sich ja eigentlich für eine Bracke auch gehört). Dazu kam aber noch, dass er extrem auf läufige Hündinnen reagiert, selbst wenn diese weit entfernt waren. Zuhause saß er zu diesen Zeiten meist sabbernd und jaulend in irgendeiner Ecke und war kaum ansprechbar.

 

Ansonsten war Anton ein absolut gut sozialisierter Hund, welcher es durch seine Dominanz nicht nötig hatte, sich bei Artgenossen zu beweisen, er wurde alleine durch sein Auftreten als "Führer" akzeptiert. Er war ein sehr angenehmer und ruhiger Hund mit dem man gut und unproblematisch umgehen konnte ... wenn da nicht die Jagdambitionen und die läufigen Hündinnen gewesen wären.

 

Nachdem ich mich bei Tierärzten erkundigt hatte und Meinungen eingeholt hatte, wie man das in den Griff bekommen könnte, entschloss ich mich, ihn mit 2 Jahren kastrieren zu lassen, zumal mir die Tierärzte sagten, mit der Kastration würde auch der Jagdtrieb nachlassen (heute weiß ich, dass das völliger Blödsinn war, was hat das eine mit dem anderen zu tun?).

 

Kurz danach veränderte Anton sich, nicht nur dass er träge und lethargisch wurde, er wurde zudem aggressiv ... wenn ihm etwas nicht passte, fletschte er die Zähne und schnappte auch zu. Seinen Artgenossen gegenüber wurde er bösartig, egal ob Rüde, Hündin oder Welpe, er fiel alles an und wenn er das nicht tat versuchte er, alles zu besteigen.

 

Abgesehen davon reagierte er bis zu seinem Lebensende (er wurde 12 Jahre alt) auf läufige Hündinnen und der Jagdtrieb war natürlich ungebrochen.

 

Obwohl auch ich seine Zähne zu spüren bekommen hatte, war er "mein" Anton und wir rauften uns mit viel Mühe wieder zusammen indem ich viel Rücksicht auf seine Launen nahm und versuchte, dass er sich nicht zu Aggressionen hinreißen ließ. Mit viel Geduld und Mühe gelang es mir irgendwann, seine Aggressionen etwas zu mindern.

 

Seit dieser äußerst schlechten Erfahrung mit einem kastrierten Rüden und mehreren guten Erfahrungen mit unkastrierten Rüden haben meine Meinung zu diesem Thema sicherlich geprägt.

 

Was die Kastration von Hündinnen angeht, würde ich immer nach der ersten Läufigkeit dazu tendieren, alleine um Gesäugeleistenkrebs entgegen zu wirken und auch um die Hündin nicht den meist auftretenden Scheinträchtigkeiten nach der Läufigkeit auszusetzen.